Beschreibung der Tour:
Naturhistorische Wanderung ab Alatsee: Entdecken Sie das Felsentor, den Weißensee und den historischen Burgstall. Fachliche Details zu Route, Geologie und Historie.
Kurzbeschreibung:
Parkplatz Alatsee - Weißensee - Felsentor - Hugo Ludwig Steg - Wiedmar - Thaler Weg - Wies - Unterdeusch - Oberdeusch Burgstall - Unterdolden - Gipfel Bichl - St. Walburga, Pfarrhof, Ruhebereich - Parkplatz
Informationen und Sehenswertes zur Tour:
Der Burgstall Oberdeusch ist eine ehemalige, heute fast vollständig verschwundene Höhenburg im Füssener Ortsteil Oberdeusch (Ostallgäu). Auch wenn heute nur noch ein markanter Burghügel und ein Gedenkstein zu sehen sind, hat der Ort eine spannende Geschichte als Sitz eines lokalen Rittergeschlechts.
Hier ist das Wichtigste zur Geschichte und den Hintergründen:
1. Die Herren "in dem Getusche"
Die Burg wurde vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut. Sie diente als Sitz eines sogenannten Dienstmannengeschlechts (Ministeriale).
Der Name: Die Adelsfamilie nannte sich die "Hessen von dem Tusche" oder "in dem Getusche". Der Name "Deusch" leitet sich wohl vom mittelhochdeutschen Wort tusch für "Tausch" ab – möglicherweise entstand die Siedlung durch einen Gütertausch.
Status: In Urkunden wurden Mitglieder der Familie (wie ein gewisser Chunrad der Heß im Jahr 1370) sogar als nobiles viri (Edelleute) bezeichnet, was auf eine gewisse lokale Bedeutung hindeutet.
2. Besitzwechsel und Verfall
1401: Die Brüder Heinz und Mangold von Tuschlin verkauften die "Hessen-Burg" samt Zubehör an das Kloster St. Mang in Füssen.
Wiederaufbau-Versuch: Ende des 15. Jahrhunderts (1493) lieh das Kloster das Anwesen an einen Josef Buchler. Dieser erhielt die Erlaubnis, das bereits "zergangene Schlößle" wieder aufzubauen und dort bis zu seinem Tod zu leben.
Das Ende: Ab etwa 1570 wird das Gebäude in den Quellen nicht mehr als Schloss erwähnt. Im 17. Jahrhundert verfiel die Anlage endgültig. Die Bewohner von Deusch nutzten die Ruine – wie damals üblich – als willkommenen Steinbruch für ihre eigenen Häuser und Höfe.
3. Was man heute noch sieht
Wer heute nach Oberdeusch kommt, findet keine Mauern mehr, aber die Topographie verrät noch viel:
Der Burghügel: Ein etwa 10 Meter hoher, steiler Hügelkegel markiert das ehemalige Zentrum.
Gedenkstein: An der Südost-Ecke des Hügels steht ein Gedenkstein, der an die einstige Burg erinnert.
Burgbrunnen: In der Nähe des Bauernhofs "beim Melchior" existiert ein 18 Meter tiefer Brunnen mit behauenen Steinen, der früher die Wasserversorgung der Burg sicherte.
Wallanlagen: Nördlich von Oberdeusch finden sich zudem Spuren einer etwa 300 Meter langen Wallanlage, die möglicherweise zu einem noch älteren Verteidigungssystem gehörte.