Beschreibung der Tour:
Entschlüsseln Sie die Erdgeschichte und Grenzhistorie am Sulzbergrücken zwischen Seeg und Roßhaupten: Von der Mariengrotte über die Jodquelle bis zur Antoniuskapelle in Vordersulzberg.
Kurzbeschreibung:
Wandererparkplatz Naturlehrpfad Senkele - Eckeleweiher - Kapelle St. Antonius von Padua - Landhotel Haflingerhof - Lehrpfad - Höchster Punkt - Jodquelle - Gedenkkreuz - Seeger Mariengrotte - Sonnenhof Seeg (Wandbild) - Senkelekopf - Drei-Schlösser-Blick - Lehrpfad - Wasserrad - Parkplatz
Informationen und Sehenswertes zur Tour:
Der steinerne Zeuge: Die Kleinstaaterei am Fuße des Sulzbergs
Der verwitterte Grenzstein am Waldrand nahe der Seeger Marienquelle ist ein stummer Zeuge einer Ära, in der das Allgäu politisch einem bunten -Flickenteppich- glich. Bevor das heutige Bayern im Jahr 1806 durch Napoleon neu geordnet wurde, war die Region in unzählige kleine Herrschaftsgebiete zerstückelt. Wer damals von Seeg nach Roßhaupten wanderte, überschritt oft unbemerkt mehrere Landesgrenzen. Der von dir entdeckte Stein markierte höchstwahrscheinlich die Grenze zwischen den beiden mächtigsten geistlichen Mächten der Region: Dem Hochstift Augsburg, zu dem das Pflegamt Füssen und damit Roßhaupten gehörte, und der Fürstabtei Kempten, deren Einflussbereich sich bis nach Seeg erstreckte.
Dass der Stein heute kaum noch lesbare Symbole trägt, liegt an der jahrhundertelangen Verwitterung, doch ursprünglich prangten auf solchen Steinen stolz die Hoheitszeichen – oft der Bischofsstab für Augsburg oder das rot-blaue Wappen für Kempten. Solche Grenzsteine waren weit mehr als nur Markierungen: sie waren Symbole für Macht, Steuerrechte und Gerichtsbarkeit. An diesem Waldrand endete buchstäblich das Gesetz des einen Herrn und begann das des anderen. Da Wasserrechte und forstwirtschaftliche Nutzung im Mittelalter und der frühen Neuzeit ständige Streitpunkte waren, setzte man die Steine mit größter Präzision an markante Punkte wie Waldränder oder in die Nähe wertvoller Quellen. Heute erinnert dieser unscheinbare Block daran, wie mühsam der Alltag in einer Zeit war, in der jeder Wald und jede Wiese einem anderen Herren gehören konnte,